Allgemein

Ein Rant.

Es ist so erbärmlich wie sich gerade Accounts Weißer User*innen auf kleine queere, kanakische und Schwarze Accounts stürzen.
„Identitär“.
Wie kann man es wagen, Denjenigen denen teilweise psychisch kaum etwas bleibt als eine Identität, vorzuwerfen sie verträten identitäre Politik. Sie vertreten Identitätspolitik. Natürlich. Wie kann man denn auch auf eine Identität verzichten? Mir wurde oft genug von der Dominanzgesellschaft gezeigt, ich sei kein Teil von ihr, also sehe ich mich auch nicht als Teil von ihr. Als Alternative zum treudeutschen Volkstaumel blieb mir ja fast nur ein Stück Zuhause in einer Identität, welche von außen mitkonstruiert wurde. Identitäten entstehen nicht im luftleeren Raum. Dazu gehört der täglich anerzogene Selbsthass in vielerlei Hinsicht. Aber auch das eigene Handeln als toxischer Mensch.
Und zu behaupten, Zeitungen wie die Bahamas oder Jungle World betreiben keine Identitätspolitik, grenzt ja schon an Absurdität.
Wo sich die Identitätspolitik jedoch von der Mehrheitsgesellschaft angeeignet wird, ist zumindest das gedankliche und ins Internet gekotzte Pogrom nicht mehr weit. Chemnitz und Köthen sind nur die jüngsten größeren Ereignisse wo die ewig-Deutsche Mentalität sich als physische Gewalt ausdrücken konnte. Doch selbst die Rodung deutscher Eichen erregt den Johannes nicht mehr so sehr wie die Schuldzuweisungen nach ganz links.
Doch wie sieht es beim cis-linksweißdeutschen Aktivismus aus? Dort wird alles fast konservative und reaktionäre zu eine Bubble konstruiert. Die PoMo-Bubble (PoMo steht hier für Postmodern. Was Postmodern ist, wird nicht näher erläutert. Ist es die Verneinung wissenschaftlicher und journalistischer Objektivität? Das wird Journalist*innen sehr früh und WissenschaftlerWissenschafter*innen leider zu spät beigebracht. Es gibt keine Objektivität in der Wissenschaft, womit z.b. in der Soziologie auch schon einige Jahrzehnte gearbeitet wird, aber who cares.
Oder ist es die Emotionalität gegenüber der kalten, rationalen, deutschen Analyse? Jean Améry, ein Shoah-überlebender, sagte 1978 in einem Gespräch (https://youtu.be/_zpxBZ7RjKg) das eine Revolution nur mit Emotionen zu machen sei. Oder ist es der Antikoloniale Kampf, für dessen Analyse schon Sartre Frantz Fanon lobte? Oder ist es die Ablehnung des Mitleids für die harte Arbeit der Selbstreflektion? Hannah Arendt

Update: ich wurde darauf hingewiesen ist, das Hannah Arendt eine Rassistin war: https://www.heise.de/tp/features/Der-verschwiegene-Rassismus-der-Philosophen-3363965.html

lehnte jedoch bereits diesen Begriff in politischen Diskursen ab, da Mitleid nicht das Abstrakte einschließe sondern nur im privaten Diskurs relevant sei.
Diese angebliche Homogenität einer fiktiven Pomo-Bubble kotzt mich so an.
Da sind Leute bei, welche ich zutiefst verabscheue und ihre politischen Ansichten als, sagen wir, verkürzt und zuweilen tendenziös und manchmal beängstigend empfinde. Trotzdem bin ich gezwungen sie zu verteidigen, weil ein Mob weißer, linker Kommunist*innen sich auf sie stürzt und danach dann „investigative“ Journos. Wem hier nicht auffällt, das auf der einen Seite größtenteils weiße (queere) Deutsche sind und auf der anderen weiße Deutsche Transpersonen, Schwarze (Trans)Menschen und People of Color, sollte dringend mal die reaktionäre Brille absetzen. Doch halt: es sind nicht #allwhites. Auch in der PoMo-Bubble gibt es die guten Weißen, keine Angst. In der ebenso konstruierten Gruppe vermeintlicher Gegner*innen sind ebenfalls marginalisierte Menschen. Dies zu verschweigen würde nur den reaktionären Diskurs von „Sprechverboten“ und den angeblichen Verstoßen “Andersdenkender” anheizen.
Bei der “Kommi-Bubble” wie die vermeintlich homogene Gruppe genannt wird, wird jedoch der Ansatz des kritischen Weißseins offensichtlich teilweise nicht verstanden. Wird dort „weiß“ als politischer Begriff benutzt, so ist der Diskurs ebenso Teil des gesellschaftlichen Backlashes wie andere mediale Debatten.. Das Verständnis, das „weiß sein“ mehr ist als bloße Hautfarbe, fehlt jedoch immens. Es wird schlicht mit veralteten Definitionen gearbeitet. Es gibt dezidiert wissenschaftliche Forschung und Literatur Schwarzer Autor*innen und Autor*innen of Color.
Mache ich etwa Minderheitenpolitik? Natürlich. Für wen denn sonst?

Und jetzt bespaßt euch einige Wochen auf Twitter und Facebook mit diesem Text, unterstellt Antisemitismus weil ich Juden*Jüdinnen nicht mit in diesem Innerlinken Diskurs erwähnt habe. Doch schrieb nicht bereits das Café Morgenland 2002 „Gott schütze Israel vor seinen Feinden und bewahre es vor seinen „Freunden““?
Reicht die Screenshots in euren Antideutschen Facebookgruppen herum und nennt mich kulturrelativistisch. Beschimpft mich als rassistisch, verrückt, ja gar Theoriefeindlich. Vielleicht habt ihr Recht, aber vorallem bin ich scheiße wütend und hab eine verdammte Angst vor der Zukunft. Wo es vielleicht nicht mehr ganz so lange dauert bis Menschen wieder wegen Identitäten gejagt werden.

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