Allgemein

Die Mutter aller Probleme

Im Zuge der pogromartigen Aufzüge von Neonazis, AfD und anderen Rechten äußerten mehrere Politier*innen ihr Verständniss für die Jagdszenen die sich abspielten oder leugneten sie in Gänze. Auch Horst Seehofer meldete sich zu Wort und gab die Schuld an den rassistischen Ausschreitungen direkt den Menschen die darunter leiden.

Nachdem 65.000 Menschen am Montag bei einem Konzert gegen rechts zumindest symbolisch ihre Ablehnung des rassistischen Normalzustandes in Sachsen auf die Straße trugen, hat Seehofer am Mittwoch ein Statement zu den Chemnitzer Ereignissen von sich gegeben: Die „Mutter aller Probleme“ sei „die Migrationsfrage“.

Hier wird eines deutlich; Seehofer folgt ganz dem nationalsozialistischen Blut und Boden Gedanken. Er imaginiert ein Kollektiv der rechtschaffenden Deutschen herbei, welches sich durch die schädlichen Einflüsse von außen verteidigen müsse, ganz so als hätte Europ weder Schuld an globalen Krisen noch wäre es ein stabiler Kontinent gäbe es nicht das barbarische, unzivilisierte aus anderen Teilen der Welt.¹ Damit sendet er ein verhereendes Signal: er solidarisiert sich, vielleicht unbewusst, mit den Rassist*innen in Chemnitz. Er symbolisiert militanten Neonazis, das was sie tun sei moralisch richtig. Und er spuckt auf 19,3 Millionen Menschen und erklärt sie zum Problem, zu den Schuldigen wenn wieder Geflüchtete auf den Straßen angegriffen werden und ihre Unterkünfte brennen.

Idil Baydar hat im Kontext Özil gesagt „Ihr hab auf 60 Jahre Arbeit gespuckt. Ihr habt auf die Arbeit meiner Eltern gespuckt.“ und das macht Seehofer erneut: statt Rassist*innen als das Problem zu benennen, hetzt er gegen die, die ohnehin nicht Teil der Gesellschaft sein dürfen. Unsere Familien flohen vor Armut, Folter und Krieg, wurden im Zuge des europäischen und US-amerikanischen Kolonialismus verschleppt oder sind vor ihm geflohen. Die Migrationsbewegungen der letzten Jahre sind unter anderem ausgelöst worden durch Europas tödliche Politik und die die fliehen sind das Problem in Deutschland?

Laut einer Studie ist Rassismus ein Faktor für Depression, somatische Krankheiten und Angststörungen. Die Vererbung von Diskriminierungserfahrungen, (Flucht)Traumata und Angst, erhöt u.a. das Kresbsrisiko.² Wenn man dies im Kontext von Epigenetik und generationsübergreifender Verfolgung betrachtet wird deutlich – Die Mutter aller Probleme ist nicht die Migrationsfrage, die Mutter aller Probleme ist Rassismus.

¹Vergleiche Fatima El-Tayeb – Undeutsch S. 44ff

² Epigenetik und Rassismus

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