Allgemein

Das Schweigen der Deutschen

Am 17.12.2017 gab es am S-Bahnhof auf der migrantisch geprägten Hamburger Elbinsel Veddel einen Nagelbombenanschlag. Schnell versicherte die Polizei, es sei nicht von Terrorismus auszugehen. Aber warum eigentlich? Der inzwischen gefasste Bombenleger ermordete 1992 mit einem weiteren Kameraden Gustav Schneeclaus, nachdem dieser Hitler als „den größten Verbrecher aller Zeiten“ bezeichnete.

Schon der Prozess um den angeblichen „Todschlag“ muss skandalisiert werden. Wie der AK Schneeclaus die Tat nach Geständnissen aus dem Prozess rekonstruiert, handelt es sich um einen geplanten Mord:

Etwa eine Dreiviertelstunde später kamen sie wieder, bewaffnet mit einem Kantholz, um ihre Gräueltat zu vollenden. Mit dem Kantholz und ihren Springerstiefeln schlugen und traten sie auf ihr Opfer ein, doch nicht genug der Brutalität, der 19-Jährige Stefan Silar sprang darüber hinaus auch noch unter den Anfeuerungsrufen seines Kameraden Stephan Kronbügel: „Mach ihn tot, mach ihn tot”, immer wieder auf den wehrlosen Schneeclaus.

Dieser Stephan Kronbügel legte 25 Jahre später eine Nagelbombe an einem Bahnhof der zu einem stark migrantisch geprägtem Viertel gehört, in dem 70% der dort lebenden Menschen eine Einwanderungsgeschichte haben.

Wie die Taz berichtet, bestreitet die Polizei einen rechtsterroristischen Hintergrund, da der Mann der Harburger „Trinkerszene“ zugerechnet wird. Außer Acht lässt sie allerdings, das diese „Trinkerszene“ vielleicht nicht politisch aktiv, aber durchaus geprägt sein kann. Beispielsweise wie in Farmsen, Schwarzenbek oder Bergedorf, wo stadtbekannte Neonazis teil der Szene sind. Das „Hamburger Bündniss gegen Rechts“ thematisiert dieses, sowie Stephan Kronbügels Neonazi-Karriere bis in die 2000er hinein beim Freien Sender Kombinat.

Im Geständnis von Stephan Kronbügel gibt er keinen Hinweis auf die Motive des Anschlags, sagt lediglich aus, er sei betrunken gewesen. Ebenso wie beim Mord an Gustav Schneeclaus.

Bereits vor einem Jahr schrieb das Café Morgenland in ihrem Text NSU Feeling:

Die Meute wird sich erst abkühlen, wenn Blut fließt. Das bisher übliche, nachgereichte Betroffenheitsritual wird diesmal nicht stattfinden. Keine Reinwaschung im Meer der Lichterketten diesmal, dem Symbol des ersten rassistischen Pogromschubes nach dem deutsch-deutschen Zusammenwachsen, als diese Population sich anschickte, die Exportfähigkeit ihres Landes sicherzustellen.

Selbst diese „Reinwaschung“ erfolgt nicht mehr. So sehr dieser Anschlag an den 2000 in Düsseldorf verübten, bei dem Zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden oder dem 2004 vom NSU verübten Nagelbombenanschlag in der Keuptstraße erinnert, so sehr verleugnen auch heute wieder deutsche Sicherheitsbehörden einen rechtsterroristischen Hintergrund. Auch die 251 registrieten Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte 2017 sind kaum noch eine Zeitungsmeldung wert, geschweige denn die 81 aufgeklärten. All diese Dinge sind Teil einer rechten Diskursverschiebung, bei der das verleugnen rechter und rassistischer Motive Legitimität für die Taten und Täter schafft. Diese Legitimierung vor dem deutschen Volk in seinem dumpfen Rassismus gilt es mit allen Mitteln entgegen zu treten auf das ein neuer NSU, oder seine Hinterlassenschaften, nicht unerkannt morden kann.

Wenn du meine Arbeit die ich hier leiste honorieren möchtest, kannst du das hier: Wishlist.

Advertisements

2 Kommentare zu „Das Schweigen der Deutschen

  1. was hat man mit so einem artikel eigentlich aufgedeckt? nichts. der denkfehler ist doch: die leute wüssten nichts vom anschlag oder den anschlägen. das die sich schon ein urteil zb. über die sache gebildet haben und der auch zustimmen – das wäre mal das zu kritisierende. nee, lieber aufdecken, was ohnehin schon längst bekannt ist.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s