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…Im Zweifel für mich!

Eine der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Bands aus der Skinheadszene sind seit Jahren die Krawallbrüder. Neben dumpfen Männlichkeitskult, Sexismus und Hedonismus wird ihnen auch seit Jahren Verbindungen zu Neonazis vorgeworfen oder zumindest keine eindeutige Positionierung. Aber was ist da eigentlich dran?

Die Krawallbrüder gründeten sich 1993 im Saarland unter dem Namen Frontal, benannten sich nach einer Ermittlung vom VS, da es eine offen neonazistische Band namens „Frontal“ gab dann in „Krawallbrüder“ um. Laut eigener Aussage gab es in der Gründungszeit Kontakte zu rechten Skinheads in Saarlouis, von welchen sich zwar später distanziert wurde, Verbindungen ins teils rechtsextreme Milieu bestehen aber nach wie vor. So fungierten beispielsweise Frei.Wild. Als Vorband der Krawallbrüder und auf dem Label „KB-Records“ des Frontsängers Pascal sind diverse rechte Bands zu finden die personelle Beziehungen in Blood&Honour Strukturen pflegen. Die Band selbst spendet regelmäßig an linke Vereine, propagiert in ihren Texten aber eben auch den Zusammenhalt einer Szene, wo es egal ist wie jemand politisch drauf ist, womit eben Neo-Faschist*innen in die Hände gespielt wird.

Auf dem Label „KB-Records“ sind beispielsweise die „Prolligans“. Die Prolligans können als eine Vorzeigeband der Grauzone bezeichnet werden, auf ihreer Erstveröffentlichung „Allzeit Bereit“ die als kostenlose Beilage bei Bestellung bei KB-Records dabei war, heißt es im Song „Prolligans“ noch:

Wir Vereinigen Punks Und Skinheads Mit Zünftigen Parolen Wir Ziehen Durch Die Gassen Unser Hobby Nazis Versohlen Hier Kommt Die Volle Dröhnung Der Suff Ist Unser Leben Das Aroma Der Verwöhnung Jetzt Lassen Wir Die Bude Beben“

wenige Jahre später wird allerdings mit der schwedischen Blood&Honour-Band Pitbullfarm aufgetreten und Sänger Norbert tritt in Shirts dieser Band ebenfalls auf

.

prolligans sänger mit PBF shirt

Ebenfalls auf dem Label der Krawallbrüder sind „Gerbenok“ zu finden, die sich nach eigenen Angaben bei einem „Abend ohne Weiber, dafür mit viel Alkohol und Gesang“ 2003 gründeten. Gerbenok sangen schon auf ihrer Erstveröffentlichung bei KB Records :

Das soll jetzt nicht rassistisch klingen, doch es ist nun einmal so Irgendwelche Asylanten dealen auf dem Bahnhofsklo Mit langem Haar und schöner Bräune stehn sie an der Litfaßsäule Schicken Kinder auf den Strich, doch das interessiert euch nicht“

In einem anderen Song, wo über das aussterben der viel besungenen Szene schwadroniert wird, heißt es indes:

So leicht vertreiben, lassen wir uns nicht
Die Jugend weiß, was ihr Erbe ist
Die Aggressionen stehen jedem ins Gesicht
Hass und Stolz lodern im Bauch
Fatale Wut zeigt sich uns auch
Die Hand zur Faust gegen jeden Dreck
So stehen wir heut noch und wir gehen auch nicht weg“

Wer oder was da der Dreck sein soll, kann ja jede*r für sich selbst assosziieren. Auch in anderen Diskriminierungsformen gibt sich die Band nichts, wie im bereits erwähnten Lied „die neuen Hippies“ ersichtlich wird, in dem HipHop-Hörer*innen als „schwul“ beschimpft werden.

Wichtiger Aspekt der Skinheadszene war seit Anbeginn die sogenannte Working Class, also die Arbeiter*innenklasse. Wohl jede Skinheadband nimmt irgendwo Bezug auf sie, so auch Gerbenok im Lied „Arbeit macht frei“ und verhöhnt so alle in Ausschwitz Ermordeten, so heißt es im Refrain:

Du weißt du bist gefangen, doch das ist dir einerlei
Dein Gedanke ist dann nur: Arbeit, die macht frei!
Arbeit macht frei ? ja, das zählt nur für dich
Arbeit macht frei ? aber nicht glücklich
Arbeit macht frei ? du hast es so gewollt
Arbeit ist dein Leben, dein Weg und auch dein Stolz.“

Gerbenoks Sänger Stöbi half bei den Krawallbrüdern eine Zeit lang als Drummer aus und unterhielt näheren Kontakt zur Band „Schusterjungs“ und trat, wie ebenfalls die Krawallbrüder“ häufiger auf Festivals mit ihnen auf. Die Schusterjungs haben sich nach mehrjähriger Bandgeschichte und diversen Auftritten auf Punkfestivals nun in die RAC-Ecke verabschiedet und treten nun mit Bands wie „Abtrimo“ auf, einer Band die dem NSU-Umfeld zuzurechnen ist. Führende Person der hamburger Rechtsrockszene ist Christian Oest, Bandmitglied bei Abtrimo, enge Freundschaft mit NPD-Kadern und im Umfeld der Mörder von Ramazan Avci, eines am 24.12.84 ermordeten Türken. Die Band Abtrimo macht in ihren Liedern diverse Anspielungen auf den NSU und ihre Konzerten wurden für Absprachen von Unterstützer*innen des NSU genutzt.

Merch der Band Schusterjungs ist auch jetzt noch auf KB-Records erhältlich (Stand 08.10.2017)

Erwähnenswert zum Umfeld der Krawallbrüder und Gerbenok ist ebenfalls die Band Martens Army. Die Martens Army, eine Band aus Sachsen und Sachsen-Anhalt unter Beteiligung des Gerbenok-Sängers, veröffentlichte ihre CD-s nicht nur über KB-Records sondern tritt mit offen neonazistischen Bands wie „The Pride“ auf. Die Myspace-Seite der Band sprach auch eine eindeutige Sprache, so umschloss die Freundesliste der Band unter anderem das „Skinhouse Menfis„, einer Blood&Honour Kneipe in Thüringen in der auch Auftritte stattfanden.

Falls ihr an einem Vortrag über Grauzone/Rechtsrock und Verbindungen in linke sowie rechte Strukturen interessiert seid, könnt ihr mich über Facebook oder Twitter anfrangen.

Wenn du meine Arbeit die ich hier leiste honorieren möchtest, kannst du das hier: Wishlist.

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