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Ein Plädoyer für mehr Spaltung

Das die Linke seit jeher ein Problem mit Antisemitismus hat, ist kein Geheimnis. Doch seit neuestem wird sich mit Terroristen solidarisiert, die notwendige Kritik an Büdnissen und Personen als „AntiDeutsch“ abgetan und somit eine inhaltliche Debatte unmöglich gemacht.

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Los ging es mit der Debatte um Laurie Penny, eine englische Queerfeministin mit hoher Reichweite und Prominenz. Kritik an ihr wurde schon länger geübt, da sie den BDS unterstützt, auf dessen Demos Slogans wie

Jude, Jude, feiges Schwein, komm herunter, kämpf allein!

gerufen wird und Hamas-Anhänger*innen in den eigenen Reihen toleriert werden. Das Laurie Penny dazu noch Witzchen über gehäutete Banker macht, lässt ihre Distanzierung von antisemitischem Gedankengut unglaubwürdig wirken.
Als ein Vortrag über „Antisemitismus im Feminismus“ auf dem Barcamp stattfand, eskalierte die Debatte und Laurie Penny schrieb ein Brief. Neben Derailing wie

Ich bin selbst zu einem Viertel Jüdin, ich kann gar nicht antisemitisch sein!

enthielt der Brief auf Facebook auch Stellen an denen es hieß das sie es verstehe das die deutsche Linke Israelsolidarisch sei, das sei ja in Deutschland so. Das sie damit einem angeblichen „Schuldkult der Deutschen“ befeuert, ist ihr wohl nicht klar.
Meiner Meinung nach, hat sich die Debatte um Laurie Penny verschoben. Es geht nicht darum sie als Feministin zu kritisieren. Dort leistet sie gute Arbeit, hat neue Ansätze populär und Intersektionalität bekannt gemacht. Es geht darum, Antisemitismus zu thematisieren und nicht zuzulassen, solange es nur gegen „den richtigen Feind“ geht – den Kapitalismus.
Wie Laurie Pennys feministischer Anspruch sich mit dem Engagement für den BDS decken kann, bleibt mir ein Rätsel. Der BDS vertritt nicht nur antifeministische Standpunkte, sondern toleriert auch Hamas und Hisbollah Fans in seinen Reihen.
Als kurz nach dieser Debatte knapp 3500 Neonazis durch Berlin marschierten ohne nennenswerte Störung, waren die Schuldigen schnell ausgemacht:

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Wo wir grade beim BDS sind: am 20.03. zogen bis zu 3.000 Menschen durch Berlin um mit und für Geflüchtete zu demonstrieren. Das in der Orga der Demo neben dem BDS auch noch FOR Palestine saß, eine Gruppe welche die Abschaffung Israels und die Rückkehr aller Palästinenser in die Gebiete vor 48′ fordert. Außerdem unterstellen sie Israel ein „System der Privilegien“ nachzulesen u.a. hier.
Das zu thematisieren war für @flecks , einem Aktivisten und Parteien-Kasper aus Berlin allerdings „Alte Gräben“ aufreißen:

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Das mit dem tolerieren antisemitischer Organisationen in Büdnissen auch Antisemitismus toleriert wird, kommt bei ihm wohl nicht an.

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Übrigens wurde zu keiner Zeit gegen die Teilnahme von Palästinenser*innen getrollt. Aber nun gut. Auch das unterstellen einer „Israel-Lobby“ gehört zum guten Ton in Querfront und Antisemitenkreisen.

Anscheinend ist der neueste hotte shit mit Hamas-Fans zu feiern. Das zumindest soll am 1.4. auf einer Party vom YDG, einem kurdischen Schülerbund, passieren. Neben anderen marxistisch-antiimperialistischen Acts, soll auch Tawrah spielen. Diese erlangte Berühmtheit durch ihren Song mit Kaveh über Antideutsche. Kaveh und Tawrah ernteten einen Shitstorm aufgrund ihres antisemitischen und lookistischen Text. Diese notwendige Kritik war leider durchsetzt von Sexismus und antimuslimischen Rassismus, wodurch sich fein aus der Affäre gezogen werden konnte. Mit „wir haben es ja schon immer gesagt“ Sprüchen warben u.a. die JungeWelt, die Freiheitsliebe und die Nachdenkseiten für Solidarität mit den beiden. Zu guter Letzt dankte Kaveh u.a. der Bandbreite für ihre Solidarität im Shitstorm.
Auch andere Initiativen solidarisieren sich mit Tawrah, z.B. „Revolution“, eine kommunistische Gruppe Oldenburg mit diversen internationalen Sektionen. Das diese die Intifada cool findet, dürfte Tawrah auch nicht so sehr stören. Wie man sich bettet, so liegt man.

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Mir geht es nicht darum Antiimperialist*innen kollektiven Antisemitismus zu unterstellen, Antideutschen zu hofieren oder Laurie Penny zu diffamieren (das tut sie selber schon genug). Es geht mir um eine Debatte, die dafür sorgt das Rassismus, Sexismus und Antisemitismus endlich konsequent bekämpft werden – vorallem in der radikalen linken.

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6 Kommentare zu „Ein Plädoyer für mehr Spaltung

  1. danke hanswurst, das war ja jetzt eine tolle ansage zum thema antisemitismus.
    aber mal im ernst, die diskussion um thawra entzündete sich in oldenburg an einer veranstaltung der kurdistansolidarität, bei der sie (neben anderen) auftreten sollte. nachdem widerspruch aufkam wurde sie vom solikommitee wieder ausgeladen (auch wenn die begründung klassisch oldenburgisch windelweich war https://www.facebook.com/oldenburgersolikomiteekurdistan/posts/159712811047247), was den leuten von „revolution“ überhaupt nicht passte, aber für die sind die kämpfe in rojava und dem, was sie „palästina“ nennen ja sowieso das selbe. und dass „revolution“ nicht nur in oldenburg scheiße sind, läßt sich hier nachlesen: http://www.onesolutionrevolution.de/allgemein/antizionismus-heisst-antirassismus/
    insofern bin ich für mehr spaltung – ein fußbreit den antisemit_innen, dahin wo´s weh tut.

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  2. Für mehr Spaltung? Auf das wir dann nur noch in Zweiergrüppchen demonstrieren, die für sich selber wissen, dass nur sie den einzig richtigen (100% nicht antisemitisch, rassistisch, umweltverschmutzend, etc…..) Weg kennen und wissen? Nein, sorry, das ist Unsinn. Wir brauchen leider Bündnisse und wir müssen einen gewissen Teil an Ausgrenzungsmechnismen mittragen, so doof und hart es sich anhört. Denn auch du gehst wahrscheinlich auf Anti-Nazi-Demos wo die SPD mal mitläuft, hörst Bands an die mal auf Festivals mit anderen z.B. sexistischen Bands gespielt haben, etc. Wenn du alles *ismen so streng bewerten würdest wie den Nahostkonflikt, wärst du auf der nächsten Demo gegen Pegida vielleicht mit maximal 10 statt mit 1000 Leuten, die ja eh schon sehr wenig sind. Natürlich müssen wir eine Grenze ziehen, aber jenseits von Dogma und absolutem Sektierertum.

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  3. „Das ausgerechnet beim Antisemitismus immer wieder Abstriche a la “ist ja nicht so schlimm.” gemacht werden(…).

    Naja, das stimmt (Szene-) geschichtlich so nicht. Die radikale Linke hat sich vielmehr verschoben zu einem (mittlerweile) sehr starken Pro-Israel Kurs. In den 80ern war er genau andersrum, ohne Ausnahmen, 100% Palästina egal ob Antifa oder Hausbesetzungsbewegung. In den 90ern wurde es differenzierter. Ab 2000 kamen halt „die Antideutschen“. Es tat sich einiges, aber ein Foto wie du es oben postest, mit Israel Fahne (also die Fahne mit positiven Bezug zum Nationalstaat, die auch auf den IDF Panzern weht) wäre in der „durchschnittlichen Antifa“ nicht als Layout genommen worden. Mittlerweile ist es aber quasi üblich. Es hat sich also vielmehr eindeutig was getan, meiner Meinung wird in vielen Punkten über das Ziel hinausgeschossen. Eine positive Bezugnahmen zu den normalen Menschen in Palästina finde ich völlig ok, Redner*innen die Vernichtungsphantasien haben, natürlich nicht, die gehören deutlich ausgeschlossen.

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    1. Ehrlich gesagt hab ich das Bild nur genommen weil das Transpi so cool ist^^ ich weiß nicht ob du sonst meinen Blog liest, ich spreche mich deutlich gegen jeden Staat und jede Nation aus. Nur das dies derzeit einfach eine Utopie ist, wird dabei außen vor gelassen und die Kritik an Nationalismus von AntiDs wird zumeist mit einer Palästinafahne in der Hand geäußert und das ist verlogen. Leider ist der Staat Israel im Moment nötig. Nationalismus ist aber was anderes.

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