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Bitte friedlich und Bunt

Friedlicher und bunter Protest ist legitim, Vermummung ein Sinnbild gegen die Demokratie und das verhindern rechter Demonstrationen ein Angriff auf unser Wertesystem, so tönt es derzeit aus allen Ecken und Enden der Gesellschaft. Das dies nur von einer Privilegierten Gruppe ausgesprochen werden kann, stört indes keine*n.

Aber was meine ich mit einem „Privileg des Pazifismus“?

Das Privileg des Pazifismus bedeutet in diesem Kontext das sich weisse, deutsche Menschen aussuchen können wie und ob sie mit Neonazis interagieren, weil sie nicht bedroht sind (auch wenn weisse, deutsche Menschen diskriminiert werden können z.B. auf Grund von sexueller Orientiert, Trans* sein oder dem Aussehen).
Viele können es sich nicht aussuchen, ob sie Gewalt anwenden, andere nehmen es nicht hin und widersprechen, wieder andere greifen gezielt und militant Neonazis und Rassist*innen an und nehmen dabei Gewalt bewusst in kauf. Dabei geht es nicht um Gewalt als Selbstzweck, als hierarchische Struktur um „den Gegner“ zu unterdrücken. Es geht um widerständische Bewegungen, die Gewalt bewusst ausüben um Faschist*innen und Autoritäten zu zerschlagen. Herrschafts und hierarchiefreies Leben wird aber nie durch Gewalt möglich sein, da Gewalt immer einen hierarchischen Anspruch hat (der*die Stärkere zu sein).
Pazifismus als Konstrukt ist wunderbar. Nur das Problem derzeit: es ist heuchlerisch. Natürlich ist es naheliegend Gewalt immer abzulehnen und den Mechanismus des Gewalt ausübens mit Neonazis gleichzusetzen. Nur jetzt nicht aktiv und effektiv gegen Neonazis und Rassist*innen vor zu gehen heisst ihnen zuzustimmen. Zumindest hat es für ihre Opfer die gleiche Konsequenz. Täglich werden Menschen unterdrückt, erfahren Gewalt und werden ausgeschlossen. Mit Reproduzierenden von rechten und diskriminierenden Phrasen kann eins vielleicht noch diskutieren, mit Ausführenden schon lange nicht mehr. Wie mit Neonazis sprechen und ihnen libertäre Ansichten näherbringen, die vorher Anschläge auf Geflüchtetenheime verübt haben, wie mit IS-Faschisten diskutieren ob die Hinrichtung okay ist oder nicht?
Wenn mit Neonazis und anderen Faschist*innen diskutiert wird, erweckt es für diese und andere den Eindruck als ob rassistische Positionen diskutabel wären. Spoiler: sind sie nicht!
Pazifismus ist im Moment ein Schlag ins Gesicht der Opfer rassistischer Gewalt, da mit Täter*innen Verhandlungen unmöglich sind. Für welche Moral und Gesellschaft sollen Opfer von Faschist*innen die andere Wange hinhalten? Für eine Gesellschaft die rassistischen Terror nicht als solchen anerkennt, die Kinder und Opfer sexualisierter Gewalt für Hetze und Propaganda missbraucht und täglich offen rassistische Politiker*innen in Talkshows einlädt, statt Geflüchtete zu Wort kommen zu lassen?
Jetzt abzuwarten und ruhig zu bleiben bedeutet, Geflüchtete und alle Menschen die nicht in die krude Neonazi-Ideologie passen, im Stich und sich selbst zu überlassen.
Heidenau, so schlimm es war, ist wenigstens ein Beispiel was militante Aktionen direkt bewirken können: Zwei Tage konnten Neonazis ungestört randalieren und eine Drohkulisse für Geflüchtete aufbauen. Samstag Abend und Nacht lenkten die anwesenden Antifaschist*innen die Aufmerksamkeit auf sich und schützten so Geflüchtete. Das eine weitere Eskalation am Sonntag nicht stattfand ist ebenfalls nur den ca. 250 anwesenden Aktivist*innen zu verdanken. Das Neonazis in Heidenau waren merkten die Antifaschist*innen spätestens als sie auf dem Weg zum Heidenauer Bahnhof waren und von ihnen angegriffen wurden.
Durch die konsequente Gegenwehr konnte dafür gesorgt werden das den Neonazis für einige Tage die Möglichkeit genommen wurde, Geflüchtete zu bedrohen und anzugreifen.

Das wir jedoch jetzt nur noch Nazis jagen ist natürlich auch keine Lösung, einen Masterplan, was zu tun ist, hab ich leider nicht. Ich denke ein solidarisches Bündnis aus militanten, aktionistischen und theoretischen Gruppen wäre hier am erfolgreichsten.

Das Pazifismus und Weltfrieden wünschenswerte Zustände sind, steht außer Frage, dies jedoch durch weggucken zu erreichen bleibt utopisch, ist ein ausruhen auf eigenen Privilegien und wird den Opfern nicht gerecht.

Das ihr etwas tut was ihr nicht möchtet, verlangt keine*r von euch. Ihr werdet durch Militanz keine „besseren“ oder „schlechteren“ Antifaschist*innrn. Nur entsolidarisiert euch nicht von Aktivist*innen, helft ihnen bei Repression und unterstützt euch untereinander.

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Ein Kommentar zu „Bitte friedlich und Bunt

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